Direkt, pragmatisch und offen: Einblick in die niederländische Arbeitskultur bei &CO
Wenn man an die Niederlande denkt, kommen einem oft die Grachten von Amsterdam, Fahrräder überall und belebte Stadtstraßen in den Sinn. Woran man eher nicht denkt, ist ein ruhiger Ort auf dem Land, umgeben von Kühen, alten Festungsanlagen und Windmühlen – und ein wachsendes Unternehmen, das von dort aus Kunden im ganzen Land betreut.
Genau dort hat &CO seinen Sitz. In Vuren, einem kleinen Ort am Rand der niederländischen Randstad, haben wir mit Martijn Wansink, dem Gründer von &CO, und Brandon Markham, Silens Brand Manager bei &CO, gesprochen. Das Gespräch ging schnell über Telefonboxen hinaus und drehte sich um niederländische Arbeitskultur, Direktheit und darum, warum Ruhe heute wichtiger ist denn je.
Was dabei deutlich wurde, war ein klares Bild davon, wie die Niederländer arbeiten: pragmatisch, ehrlich und leise ehrgeizig, selbst fernab vom Trubel der Großstädte.
Kleines Land, breit verteiltes Business
Die Niederlande mögen klein sein, doch das Geschäftsleben konzentriert sich nicht auf eine einzige Stadt. Einige Branchen sammeln sich zwar in Städten wie Amsterdam oder Rotterdam, die meisten Unternehmen arbeiten jedoch landesweit, ohne eine Adresse im Stadtzentrum zu brauchen.
„Man ist hier nie weit weg“, erklärt Martijn. „Von hier aus sind es 30 Minuten nach Rotterdam, 40 nach Amsterdam. Das ist ganz normal.“
Diese Nähe macht es leicht, von ruhigeren Orten wie Vuren aus zu arbeiten, ohne den Zugang zu Kunden, Talenten oder Chancen zu verlieren. Viele Besucher kommen sogar gerne aus der Stadt heraus. Weniger Ablenkung, einfacheres Parken und ein ruhigeres Tempo schaffen die richtige Atmosphäre für konzentrierte Gespräche.
Leben und Arbeiten in Vuren
Arbeiten in Vuren fühlt sich anders an. Die Arbeit selbst ist genauso intensiv, aber das Umfeld ist ruhiger und weniger hektisch. Dieser Kontrast ist bewusst gewählt.
Büro, Produktion und Silen-Lager befinden sich bei &CO alle unter einem Dach. Das Gebäude erinnert eher an eine moderne Halle als an ein klassisches Büro, und genau das ist beabsichtigt. Kunden merken das sofort.
„Sie mögen es, dass es hier ruhig ist“, sagt Martijn. „Es passt zu unserer Art zu arbeiten.“
Die Ruhe bremst nichts aus. Sie nimmt nur den Lärm heraus, den man nicht braucht.
Niederländische Arbeitskultur: direkt, ehrlich, offen
Wenn man gehört hat, dass Niederländer direkt sind, dann stimmt das. Und zwar sehr.
„Wenn man etwas denkt, sagt man es“, sagt Martijn. „Direkt und ehrlich.“
Feedback ist klar, Hierarchien sind flach. Man soll seine Meinung sagen und nicht zwischen den Zeilen lesen. Diese Offenheit hängt eng mit einem weiteren zentralen Wert zusammen: Freiheit. Die Freiheit zu sprechen, zu widersprechen und man selbst zu sein.
Hinzu kommt, dass die Niederlande klein und dicht besiedelt sind. Beziehungen sind wichtig, Vertrauen entsteht schnell und man kennt sich oft früher, als man erwartet.
Ein wichtiger Hinweis für Besucher: Direktheit ist keine Unhöflichkeit. Sie ist nicht persönlich gemeint. Sie steht für Klarheit.
Büros nach dem hybriden Arbeiten: ruhiger, besser, menschlicher
Die Niederlande waren beim flexiblen und teilzeitbasierten Arbeiten schon früh weit vorne. Covid hat diese Entwicklung nur beschleunigt. Jetzt, da Menschen wieder häufiger ins Büro zurückkehren, sind die Erwartungen gestiegen.
Nach Jahren im Homeoffice reagieren Mitarbeitende sensibler auf Lärm und Ablenkung. Offene Büros wirken plötzlich lauter als früher.
„Dann melden sich die Leute zu Wort“, sagt Martijn. „Sie sagen, dass sie sich zu Hause besser konzentrieren können. Also merken Unternehmen, dass sich etwas ändern muss.“
Die Antwort darauf war nicht, Menschen zurückzuzwingen, sondern Büros so umzugestalten, dass sie wirklich funktionieren. Mehr ruhige Räume, bessere Akustik, weichere Sitzmöglichkeiten und Orte für Telefonate und konzentriertes Arbeiten. Weniger Lärm, mehr Bewusstsein.
Funktion zuerst, immer
Niederländisches Design wird oft als minimalistisch und funktional beschrieben, und genau das zeigt sich auch bei Büroentscheidungen. Das Aussehen spielt eine Rolle, aber erst nachdem etwas bewiesen hat, dass es funktioniert.
„Wenn es nicht funktioniert, sagen wir das auch“, sagt Martijn.
Der niederländische Markt ist extrem wettbewerbsintensiv, besonders bei Telefon- und Officepods. Dutzende Marken konkurrieren vor allem über den Preis, was viele Kunden zunächst zu günstigeren Lösungen greifen lässt. Viele kommen später zurück, wenn Türen nicht richtig schließen und die Schalldämmung enttäuscht.
Qualität lässt sich, einmal erlebt, schwer ignorieren.
&CO kennenlernen
&CO wurde vor rund 15 Jahren mit maßgefertigten Möbeln und akustischen Lösungen gegründet. Von gepolsterten Elementen in industriellen Umgebungen bis hin zu individuell gefertigten Sofas und Akustikprodukten für Büros, Schulen und den Hospitality-Bereich arbeitet das Unternehmen seit jeher sehr praxisnah.
Heute besteht das Team aus acht Personen. Vier arbeiten im Büro, vier in der Produktion, alle unter einem Dach in Vuren.
Das Team bei &CO ist herzlich und eng verbunden und funktioniert eher wie eine Familie als wie ein Konzern. Freitagnachmittags pflegen sie die typisch niederländische Tradition des Vrijmibo, also des gemeinsamen Feierabendgetränks. Dann rücken Arbeitsthemen in den Hintergrund und Gespräche drehen sich um Wochenendpläne, Kinder oder die nächste Wanderung. Ein einfaches Ritual, aber ein wichtiges, das den Zusammenhalt auch jenseits des Arbeitsalltags stärkt.
Dieser Geist zeigt sich auch in der gemeinsamen Arbeit. In diesem Frühjahr nimmt Martijn das gesamte Team mit nach Barcelona, um dort ein Projekt für einen internationalen Kunden zu installieren. Arbeit, Reisen und gemeinsame Zeit verschmelzen zu einer Erfahrung, mit langen Abendessen, lokalem Essen und der Möglichkeit, gemeinsam aus dem gewohnten Alltag auszubrechen.
&CO x Silen: Wie aus einer einfachen Suche eine Partnerschaft wurde
Die Kunden von &CO fragten immer häufiger nach besseren Möglichkeiten für Telefonate, konzentriertes Arbeiten oder einen kurzen Rückzug aus dem offenen Büro. Der Bedarf war klar und wuchs weiter.
Dann folgte eine Google-Suche am Wochenende. Auf der Suche nach Inspiration rund um das Thema Stille landete Martijn auf unserer Website. Die Produkte entsprachen genau dem, was seine Kunden beschrieben hatten. Am Montagmorgen saß er bereits am Telefon und rief in Estland an, um herauszufinden, wer dahintersteckte.
Zu dieser Zeit wurden die Covid-Beschränkungen gerade aufgehoben. Sobald Reisen wieder möglich waren, buchte Martijn einen Flug nach Tallinn. Die Produkte vor Ort zu sehen, bestätigte sofort sein Gefühl. Akustische Leistung, Verarbeitungsqualität und das Gesamtkonzept passten perfekt zum niederländischen Markt, und die Partnerschaft wurde kurz darauf geschlossen. Das war etwa im Jahr 2020.
Das erste Projekt folgte schnell: 20 Chatbox-Einheiten für eine Universität. Ein neues Produkt, ein neuer Prozess, komplett vom &CO-Team selbst installiert. Anspruchsvoll, praxisnah und unvergesslich.
Seitdem wächst die Zusammenarbeit stetig und bewusst. „Wir wollen langfristige Beziehungen“, sagt Martijn. „Keine schnellen Verkäufe und dann nie wieder Kontakt.“
Tipps für einen Besuch in Vuren und darüber hinaus
Vuren liegt in der Nähe von Gorinchem, einer der schönsten befestigten Städte der Niederlande. Alte Stadtmauern, Flüsse, Windmühlen und ein weiter Himmel prägen das Bild. Ideal zum Spazierengehen, Entschleunigen und um eine andere Seite des Landes kennenzulernen.
Darüber hinaus bietet die Niederlande auf kleinem Raum erstaunlich viel. Strände bei Den Haag, Wälder, durch die man tagelang wandern kann, Tulpenfelder im Frühling und historische Windmühlen, die noch immer Wasser aus Gebieten unter dem Meeresspiegel pumpen.
Der Frühling ist die beste Reisezeit, auch wenn der Herbst seinen eigenen Reiz hat. Die Winter sind oft regnerisch, manchmal schneereich, aber selten langweilig.
Kulinarisch sollte man Stroopwafels, Lakritz und traditionelle niederländische Hausmannskost probieren. Einfach, sättigend und ehrlich. Genau wie die Menschen.
Ein letzter Tipp
Wenn Sie in die Niederlande kommen, um zu arbeiten, seien Sie offen. Sagen Sie, was Sie denken. Nehmen Sie Ehrlichkeit nicht übel und halten Sie Ihre eigene Meinung nicht zurück.
So funktionieren die Dinge hier.
Und wenn Sie sich einmal in Vuren wiederfinden, stehen die Chancen gut, dass man Sie mit Kaffee, klaren Worten und einem ruhigen Ort zum Arbeiten empfängt. Genau so, wie es die Niederländer mögen.
Als Head of Content bei Silen erzählt Kirke die Geschichte der weltweit größten Sammlung von Büro-Pods und Privatsphärenlösungen und erreicht damit ein globales Publikum auf allen Plattformen. Sie vertieft sich in Themen wie Arbeitsplatzfokus und Büroproduktivität. Vernetzen Sie sich mit Kirke auf LinkedIn.
Leiterin der Partnerbeziehungen bei Silen, die die Marke Silen an weltweit führende Wiederverkäufer in 60 Ländern auf 6 Kontinenten vermittelt. Sie schreibt über Wohlbefinden am Arbeitsplatz und innovative Büroräume. Mariann auf LinkedIn kontaktieren.